Verdichtete Klanghölzer
ersetzen Ebenholz

Seit wir uns der weltweiten Übernutzung der Ebenholzbestände bewusst sind, suchen wir nach Möglichkeiten, dieses wertvolle Holz zu ersetzen. Seit 2010 haben wir verschiedene einheimische und tropische Hölzer auf ihre spieltechnischen und akustischen Eigenschaften getestet. Dabei hat sich bisher Ebenholz immer wieder als das überlegene Material erwiesen.

2015 ist die ETH Zürich mit Probemustern aus verdichtetem Ahorn auf den Geigenbauverband zugekommen. Das Material hat uns sofort fasziniert und unser grosses Interesse geweckt. Mit unserem Vorwissen und unseren Möglichkeiten zur Analyse der klanglichen Eigenschaften bot sich eine partnerschaftliche Zusammenarbeit an.

Die geigenbauerischen Anforderungen an die modifizierten Hölzer sind

hohe Oberflächenhärte und Resistenz gegen Abnutzung

Dimensionsstabilität und

eine nicht zu hohe Dämpfung.

Seit 2015 führen wir umfangreiche Versuche zu den klanglichen Eigenschaften der "neuen" Hölzer durch.

Verdichteter Ahorn

Der ungeflammte Bergahorn wird auf ein mit Ebenholz vergleichbares spezifisches Gewicht verdichtet. Seine Schwingungseigenschaften kommen jenen von Ebenholz nahe.

Verdichtete Fichte

Ausgangsmaterial ist Fichte in Klangholzqualität. Auch sie hat ein spezifisches Gewicht über 1. Dieses Material hat eine sehr geringe Dämpfung, die Elastizität ist besonders hoch, die Schallleitgeschwindigkeit ist ca. 20% höher als die von Ebenholz.

Erste Erfahrungen

Nach ersten positiven Tests mit Saitenhaltern haben wir einige Instrumente mit Griffbrettern aus Ahorn und Fichte (Viola: Zinkhahn) ausgestattet. Die Ergebnisse sind mit beiden Materialien sehr ermutigend.  Unsere eigenen Hör- und Spieltests, unsere Klangmessungen und auch die Musikerfeedbacks ergeben ein fast durchwegs positives Bild.

Wir beobachten eine Reduktion des Geräuschanteils, eine schnellere Antwort des Instruments und einen Gewinn an Klangpräsenz, oft auch eine Reduktion von Schärfe. Erste Klangbeispiele finden sie hier.

Workshop Februar/März 2018

Geigenbauer und Forscher aus England, Frankreich und Deutschland haben mit Wilhelm-Geigenbau zusammen eine Woche lang auf verschiedenen Instrumenten Griffbretter aus Ebenholz gegen solche aus alternativen Materialien getestet. Zum Workshop gehörten auch Vorträge zur Materialforschung, zu Analysemethoden und zur Psychoakustik.

4 Geigen wurden im Erstzustand gespielt, mit Klangaufnahmen dokumentiert und jeweils gegen ein Referenzinstrument verglichen. 

Danach wurde für jede Geige eine Abstrahlungsanalyse und teilweise eine Modalanalyse gemacht. Die Frequenzen und das Gewicht des Griffbretts wurden ermittelt.

Dann wurden die neuen Griffbretter aus verdichteten Hölzern, in Sandwichkonstruktion und solche aus Compositmaterialien montiert. Wiederum wurden alle Messungen gemacht, sowie weitere Klangaufnahmen und Blindvergleiche gemacht.

Ebenfalls im Test war ein Cello, bei dem wir das Ebenholzgriffbrett durch eines aus verdichteter Fichte getauscht haben.

Unser musikalischer Partner in dieser Woche war das Pacific Quartet Vienna. Für die Klangaufnahmen haben wir mit weiteren professionellen Spielern zusammengerarbeitet.

Die Ergebnisse des Workshops sind ermutigend. Es hat sich deutlich gezeigt, wie wichtig das Griffbrett für den Klang der Instrumente ist. Masse, Form, Steifigkeit und Dämpfung sind sehr relevante Faktoren. Werden die neuen Griffbretter mit Wissen und Sorgfalt gestaltet, können wir zuversichtlich sein, dass der Schritt weg vom Ebenholz für die Musiker keine Enttäuschung sein wird. In Blindtests haben die neuen Griffbretter gut abgeschnitten.

Einen Einblick in den Workshop ist in der Sendung von Schweiz-aktuell zu sehen, die dort gespielte Geige ist ein Instrument von Ulrich Zimmermann, gebaut 1969 in Bern.  

Ihr Interesse

In unserem Atelier sind Instrumente mit Griffbrettern und Saitenhaltern aus verdichteten Hölzern bereit zum Kennenlernen. Wir haben nun schon einige Griffbretter an Kundeninstrumenten gewechselt und durchwegs positive Rückmeldungen erhalten. Der Wechsel bietet sich vorallem dann an, wenn das alte Griffbrett zu dünn geworden ist, wenn die Projektion verändert werden sollte oder ein spezifisches Interesse an einer verbesserten Ansprache besteht. Der Wechsel ist aber immer sehr sorgfältig zu planen.

Weitere Medien

SRF Schweiz aktuell vom 2. März 2018

SRF Kontext vom 29. Januar 2018

SRF Schweiz aktuell vom 28. November 2017

SRF Echo der Zeit vom 28. November

Deutschlandfunk am 22. November 2017 - Text der Sendung

Mediathek Deutschlandfunk - Suchbegriff 'Ebenholz' eingeben

Vergleichs-Hören

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Griffbrett aus Ebenholz

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Griffbrett aus verdichteter Fichte

Unser Tipp zum gezielten Vergleichs-Hören

Zu hören: Zwei mal die gleiche Geige, gebaut von Boris Haug, einmal mit Ebenholzgriffbrett, einmal mit Fichtengriffbrett. In den Beispielen werden jeweils gleiche Passagen gespielt. Für den direkten Vergleich können Sie beim Abspielen anhalten und die Phrase am anderen Beispiel weiterhören.

eine italienische Bratsche ...
mit einem neuen Griffbrett ...
aus verdichteter Fichte.
Der Klang: schneller, wärmer, klarer. Die Kundin: mehr als zufrieden.
Griffbrett aus verdichteter Fichte ...
... auf Geige von Charles Brugère.
Geige von Paul Knorr mit einem neuen Griffbrett ...
... aus verdichtetem Ahorn.
Auch hier: ein sehr zufriedener Spieler.
Griffbrett: Verdichtete Fichte (F.Zinkhahn-Werkstatt Wilhelm)